Bad Tatzmannsdorf
| Deutscher Name | Ungarischer Name | Kroatischer Name |
|---|---|---|
| Bad Tatzmannsdorf | Tarcsafürdö | - |
Jüngste archäologische Forschungen haben ergeben, dass die Quellen von Bad
Tatzmannsdorf schon seit prähistorischer Zeit (Frühe Bronzezeit) bekannt
waren. Auch von den Römern waren diese bereits benützt worden. Eine
regelrechte Ansiedelung an den Quellen dürfte aber erst im 11. Jhdt. als eine
der zahlreichen ungarischen Grenzwächtersiedlungen entstanden sein. Diese
wurden in späterer Zeit vor allem von bäuerlichen Kleinadeligen bzw. einer Art
niedrigem "Beamtenadel" bewohnt, welchem auch die Familie"de
Tarcsa" angehörte. Die ungarische Namensform des Ortes, eben "Tarcsa",
geht auf dieses Geschlecht zurück. Unter dieser Benennung wurde der Ort
erstmals 1378 urkundlich erwähnt. Natürlich ranken sich einige
mittelalterliche Legenden um den Ursprung des Kurortes: So hätte beispielsweise
ein Schweinehirt, dessen kranke Herde ihn zur Heilquelle geführt hatte, diese
entdeckt. Eine andere Sage berichtet von einem jüdischen Wunderarzt namens Aron
der heimlich die Heilkraft der Quellen für medizinische Zwecke genutzt haben
soll. Das Tal, in dem die Sauerquellen entspringen, soll damals von einem See
bedeckt gewesen sein, aus welchem diese, Geysiren gleich, aufsprudelten.
Das Dorf wurde im Mittelalter mit großer Sicherheit von deutschen Bauern
bewohnt.
Im 14. und 15. Jhdt. teilte es das harte Schicksal vieler anderer Ansiedelungen
des ständig umkämpften Grenzraumes zwischen Österreich und Ungarn.
Nach den Türkenkriegen von 1529 und 1532 war die kleine Enklave von
Tatzmannsdorf so entvölkert, dass der damalige Grundherr Gregor Tarrody um 1572
Kroaten in seiner Herrschaft ansiedelte, die das Dorf "Dobrava" gründeten,
welches aber im Zuge der BocskayRebellion vollkommen zerstört wurde.
Im Zuge der Reformation, die um die Mitte des 16. Jhdt. im westungarischen Raum
ihren Einzug gehalten hatte, waren viele reformierte deutsche Einwanderer ins
Land gekommen. Trotz anschließender Gegenreformation in den umliegenden batthyänischen
Gütern (1633) konnten die Protestanten innerhalb der kleinen Herrschaft von
Tatzmannsdorf bis in die Siebzigerjahre des 17. Jhdt. ungestört eine freie
Religionsausübung genießen.
Bereits um 1600 hatten prominente Adelige, die damals das politische Geschick
des heutigen Burgenlandes wesentlich beeinflußten, im Ort Tatzmannsdorf
Trinkkuren absolviert. Dem historisch Kundigenbegegnen hier Namen wie Königsberg,
Erdödy, Batthyány oder Esterhazy.
Die erste urkundliche Erwähnung der Heilquellen findet sich in der Regensburger
Chronik aus dem Jahre 1621.
Anlässlich der Eröffnung eines Sauerbrunnens hatte 1620 der evangelische Prädikant
Mag. Johann Mühlberger eine Predigt unter dem Titel "Scaturigo salutis -
Sprudelquell des Heils" gehalten, die 1621 in Regensburg gedruckt wurde.
Diese Chronik gilt gleichermaßen als Geburtsurkunde von Bad Tatzmannsdorf. Sie
enthält außer dem theologischen Inhalt auch Hinweise auf den medizinischen
Gebrauch des Mineralwassers sowie die älteste topographische Ansicht des Ortes.
Um 1650 wurde der Heilbadbetrieb aufgenommen; aus dieser Zeit stammt auch die
erste Erwähnung eines Kurarztes. Parallel zum Badebetrieb wurde der
"Export" des Mineralwassers nach Wien ständig ausgeweitet.
Die Entwicklung des Kurbetriebes wurde zwar durch die Kuruzzenkriege (1704-1709)
unterbrochen, jedoch erwarb Palatin Graf Ludwig Batthyány im Jahre 1752 das
Bad, womit eine neuerliche Periode des Aufschwunges eingeleitet wurde.
Im Zuge seiner Dissertation veröffentlichte der Medizinstudent Ignaz Joseph
Wetsch im Jahre 1763 die erste wissenschaftliche Untersuchung des
Tatzmannsdorfer Sauerwassers. Darin wird der Kurort als "Dazmannsdorff"
bezeichnet. 1777 wurde eine weitere wichtige pharmakologische Arbeit von
Heinrich Johann von Crantz publiziert, die viel zur Förderung des Kurbades
beitrug. Im Laufe der weiteren Jahrzehnte kam es zu einem regen Ausbau der
Kuranlagen (Rundpavillon, Kurgarten, etc. ). 1795 wurde über der bislang
schmucklosen Quelle der "Tempel der Genesung", ein in klassizistischen
Bauformen gehaltenes, auf acht Säulen ruhendes Brunnenhaus, errichtet.
In der ersten Hälfte des 19. Jhdt. erlebte Bad Tatzmannsdorf einen vorläufigen
Höhepunkt. Viele bekannte Persönlichkeiten frequentierten den damals schon
mondänen Kurort; darunter Adalbert Stifter und Franz Grillparzer.
Im Jahre 1863 übernahm Graf Franz Batthyany das Heilbad. Der Ortc Tarcsafürdö"
(ung. für Bad Tatzmannsdorf) wurde in wenigen Jahren zum fiihrenden Heilbad
Ungarns. Nach der medizinischen Aufschließung des Moorlagers im Jahre 1889 bürgerte
sich die Bezeichnung "Ungarisches Franzensbad" ein. Mehrere
wissenschaftliche Untersuchungen der Jahre 1890 bis 1906 beschreiben das Moor
als das heilkräftigste Ungams. Die Zahl der Besucher stieg ständig, für das
Jahr 1893 waren beispielsweise über 1900 Kurgäste gemeldet. Vor und um die
Jahrhundertwende entstanden mehrere Bauten auf dem Kurplatz:
1886 das Anna Bad und der Quellenhof, 1887 die Marienvilla, 1890 die
Carolinenvilla, 1894/95 der Kurhof, 1899 die Kaltwasserheilanstalt und 1907 das
Hotel Batthyány.
Durch den Anschluss an das ungarische Eisenbahnnetz im Jahre 1903 war die
Anreise für die Kurgäste entscheidend erleichtert worden. Während des Ersten
Weltkrieges wurden die Badeanlagen auch vom Militär benutzt. Auf dem Sulzriegel
befand sich ein Militärflugplatz. Der Zerfall der Monarchie nach dem verlorenen
Krieg ließ Bad Tatzmannsdorf jäh in eine Krise schlittern. Ausschlaggebend dafür
war die nun folgende Inflation, die dadurch ausgelöste Verarmung einst
wohlhabender Kreise, die unsicheren politischen Verhältnisse sowie fehlende
Verkehrsverbindungen.
1918 verkaufte Graf Gabor Batthyány die Liegenschaft an eine Finanzgruppe, die
die Geschicke des Bades bis 1938 leitete. Nach dem Anschluss des neugeschaffenen
Burgenlandes an den wirtschaftlich schwachen Rumpfstaat Österreich (1921) kam
es in den Zwanziger- und Dreißigerjahren nur zu einem zögernden Aufschwung
des Kurbetriebes. Zwar erlangte der Kurort seinen Rang als hervorragendes
Frauen- und Herzheilbad wieder; die Zeit des mondänen Kurbetriebes war aber
vorbei. Die neuen, jetzt vor allem österreichischen Gäste waren echte
Patienten, das Bad wurde zum reinen Heilbetrieb. Mit dem Anschluss Österreichs
an das deutsche Reich 1938 wurde der Kurbetrieb vom Reichsgau Steiermark übernommen
und bald der deutschen Wehrmacht überlassen. Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges
kam der Badebetrieb zum Erliegen. In den letzten Kriegsjahren wurden Quartiere für
Bombenopfer beschlagnahmt und der Kurhof (heute Kurhotel) zum Feldlazarett
umfunktioniert. Die Kriegsereignisse des Jahres 1945 brachten eine fast vollständige
Zerstörung der Kuranlagen.
In den Sechziger- und Anfang der Siebzigerjahre wurden zahlreiche bauliche Maßnahmen,
wie z. B. die Errichtung des neuen Kurmittelhauses. In den Neunzigerjahren
traten großangelegte Ausbaupläne des Kurortes in das Stadium der Realität.
Ein Golfzentrum mit entsprechenden Hotelbauten der gehobenen Kategorie, ein
Thermalhotel der Kurbad AG im Areal des Kurzentrums, ein Thermal-Hallenbad und
ein Konzept zur Verkehrsberuhigung des Ortskernes trugen dazu bei, Bad
Tatzmannsdorf in die vorderste Reihe der österreichischen Kurorte zu rücken.
Die Verwirklichung dieser Pläne war nur möglich, weil 1988 eine Thermalquelle
südlich des Ortes erbohrt wurde. Ein "Verein zur Pflege von Kultur, für
Umweltschutz und Ortsverschönerung und die Einrichtung des Kurmuseums" im
Jahre 1990 ergänzten das Konzept des kontinuierlich aufstrebenden Ortes.
1993 erfolgte die Verleihung des Gemeindewappens für Bad Tatzmannsdorf.
Projekte wie ein Veranstaltungszentrum, Bau einer Promenade und Ausbau des
Erlebniszentrums, Neugestaltung des Hauptplatzes, Neu- bzw. Umbau des alten
Rosalienhofes, Förderung des gemeinnützigen und privaten Wohnhausbaues und
Adaptierung von Schloss Jormannsdorf werden in den nächsten Jahren realisiert,
um von der traditionsreichen Vergangenheit einen Bogen in einen neuen
Zeitabschnitt und eine gesundheitsbewusste Zukunft zu spannen.
Geographische Lage
47 Grad 20 Min nördl. Breite
16 Grad 14 Min östl. Länge von Greenwich
bezogen auf die Ortsmitte
Seehöhe: 340 - 410 m ü.A.
Größe, Fläche
1.162,22 ha davon:
Baufläche: 80,45 ha
landw. gen. Fläche: 567,93 ha
Wald: 434,19 ha
Gewässer: 6,74 ha
Sonstiges: 72,91 ha
Die Ortsteile
Bad Tatzmannsdorf: 251 Objekte
Jormannsdorf: 208 Objekte
Sulzriegel: 52 Objekte
Infrastruktur
Beschäftigte:
In Bad Tatzmannsdorf gibt es ca. 1.100 Arbeitsplätze. Im wesentlichen ist die
einheimische Bevölkerung hier im Ort beschäftigt aber es gibt eine große
Anzahl von Beschäftigten die täglich hier einpendeln. Von der Ortsbevölkerung
gibt es sowohl Tagespendler nach Pinkafeld, Oberwart und Großpetersdorf sowie
Wochenpendler nach Wien.
Betriebe:
Bad Tatzmannsdorf hat 57 Betriebe. Darunter sind ca. 40 Hotels, Gast- und
Kaffeehäuser, ca. 20 andere Betriebe wie Banken, Friseure, Bäckereien, Geschäfte
etc. Es gibt keine Industriebetriebe.
Bad Tatzmannsdorf hat ca. 2.400 Gästebetten (Stand 1999), aufgeteilt auf
Hotels, Kurheime und private Zimmervermieter (31 Hotels, 3 Kurheime, 23
Zimmervermieter).
Medizinische Versorgung:
In Bad Tatzmannsdorf sind 10 Kur- und praktische Ärzte niedergelassen daneben
gibt es noch eine große Anzahl von Ärzten in Kur- und Rehabzentren. Die
Entfernung zum Schwerpunktkrankenhaus Oberwart beträgt ca. 7 km. Bad
Tatzmannsdorf ist daher medizinisch sehr gut versorgt.
| Postleitzahl | Einwohner (VZ 2001) | Fläche | Seehöhe |
|---|---|---|---|
| 7431 | 625 | 1162 ha | 340-410 m |
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