Ungarisch Bieling (Ortschaft existiert nicht mehr) ![]()
| Deutscher Name | Ungarischer Name | Kroatischer Name |
|---|---|---|
| Ungarisch Bieling | Magyarbükkös | - |

Das
verschwundene Dorf Ungarisch Bieling
Dem aufmerksamen Beobachter wird vielleicht aufgefallen sein, dass jede
Ortschaft, die mit der Bezeichnung „Deutsch“ beginnt, ein Gegenstück hat, das
mit „Kroatisch“ oder seltener mit „Ungarisch“ beginnt. So gibt es zu „Deutsch
Tschantschendorf“ ein „Kroatisch Tschantschendorf“ und zu „Deutsch Schützen“ ein
„Ungarisch Schützen“ (Horvathlövö), eine Ortschaft, die heute direkt an der
Grenze in Ungarn liegt.
Lediglich das Gegenstück zu Deutsch Bieling lässt sich nicht finden, nicht in
Österreich und auch nicht im benachbarten Ausland. Auf alten Landkarten aus dem
Jahre 1848 wird man jedoch fündig. Da gibt es sie noch, die kleine Ortschaft
Ungarisch Bieling in unmittelbarer Nachbarschaft zu Deutsch Bieling. Ungarisch
Bieling war nur eine kleine Ortschaft. Sie bestand aus ca. 10 Häusern, einer
Mühle und einem Gasthaus mit einer Kegelbahn, das auch Besucher aus den
angrenzenden Dörfern anlockte. Sie verfügten aber auch über einen eigenen
Friedhof, der wie das ganze Dorf stets gepflegt war. Aus dem Gewerbeverzeichnis
ist weiters zu entnehmen, dass es um 1870 neben fünf Personen die in der Mühle
tätig waren, einen Schneider, drei Weber, einen Wirten und einen Hirten gab. Zur
Schule und zur Kirche gingen sie in die Nachbargemeinde Hagensdorf. Die Bewohner
Ungarisch Bielings waren Schwaben, wie auch die Bewohner der Nachbarortschaften
Hagensdorf und Luising.
1921 wurden die Ortschaften Hagensdorf, Deutsch Bieling und zwei Jahre später
auch Luising zu österreichischen Gemeinden, während Ungarisch Bieling, direkt an
der Grenze gelegen, bei Ungarn blieb. Aber auch der Anschluss an den jungen
ungarischen Staat änderte nichts daran, dass die Einwohner des Ortes zur
Pfarrgemeinde Hagensdorf gehörten.
Die Mühle war ein Problem, da die Grenze genau an ihr vorbeiführte. Doch hierfür
gab es eine friedliche Lösung. Die Österreicher durften auch weiterhin ihr
Getreide zur Mühle bringen. Besaß man einen Pferdepass, konnte man auch die
letzten Meter auf ungarischem Boden fahren. Wenn nicht, wurde das Getreide das
letzte Stück getragen, oder der Müller holte es selbst von der Grenze ab. Doch
einige Zeit nach dem Anschluss wurde die Mühle aufgelöst, da der Staat Anspruch
auf das Wasserrecht erhob. Der Mühlenbesitzer bekam eine entsprechende
Abfertigung und siedelte sich andernorts an.
Das Ende
eines Ortes
Das friedliche Zusammenleben sollte die Zeit des Zweiten Weltkriegs nicht
überdauern. Die deutschen Ungarn flohen vor den Russen oder wurden aus dem Land
getrieben. 1948 gingen auch die ungarischen Bielinger, nachdem sie vieles
durchzustehen hatten, über die Grenze und siedelten sich in den umliegenden
Dörfern an. Ihr Dorf wurde zerstört und der Stacheldraht durch das Dorf gezogen.
Die Ungarn errichteten eine mehrere Kilometer breite Sperrzone entlang der
Grenze, die äußerst schwer zu passieren war. Viele Häuser wurden geschleift und
die ganze Ortschaften aufgelassen.
Vom idyllischen Dorf sind heute nur noch die überwachsenen Reste der ehemaligen
Mühlenwehranlage sichtbar. Im Mühldumpf, der auch heute noch eine kleine
Wasserfläche im Auwald darstellt, spiegeln sich die Bäume. Mitten im Wald soll
es noch das ehemalige Friedhofskreuz geben, um das verstreut die alten
Grabsteine liegen. Heute kann man bis zu dieser Stelle nicht vordringen. Zwar
wurde der eiserne Vorhang abgebaut und der Stacheldraht entfernt, doch an seiner
Stelle wurde in den letzten Jahren ein hoher Wildzaun errichtet, der verhindern
soll, dass die kapitalen Hirsche versehentlich das Staatsgebiet wechseln. Neue
ökonomische Barrieren ersetzen die alten politischen.
Quellen:
Volksbildungswerk für das Burgenland - Monika Doktor: Nur zehn Häuser, aber zehn
Schicksale, die Zerstörung des Grenzortes Ungarisch Bieling; 1991/46.
Jahrgang/Nr. 4.
Gemeinde Heiligenbrunn: Chronik zur 800 Jahrfeier (1198-1998) von Heiligenbrunn,
Heiligenbrunn 1998.
Franziszäische Landesaufnahme, 1853. Text und Fotos: DI B. Gerger.
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